Tiefblog











{04-05-09}   für klavki

dir ein lied zu singen
vom leben der zurückgebliebenen
auf dass
das eis bricht
welches dich vom leben trennt
unter stiebend heissen tönen
unserem letzten aufbäumen

vor einem schweigen



{14-10-08}   Quartier 59

Wasser lesen.
Das Universum im großen Kochtopf.
Kopf rein, in die Sonntagszeitung auf Molekülbasis.
Kann Feuer unter Wasser riechen.
Stellen sind wundgerieben, gefrorene Hosenbeine, Eis mit Knickmuster.
Hier gibt es nur Regen und kein Regen.
Nippon-pinke Faltschirme, mobile Privatbunker.
Der Ort, an dem ein Stück Papier, unbeschrieben, die Welt bedeutet.
Quartier 59,

die Planetnarbe.



Mein primitiver Herzschlauch
schlackert, im goldgelb
in Zeitlupe schwimmt

Klappen klappen
schnapp
die Schere
Dichtung von Papier
Gewicht vom
Stein, vom organischen

Druckabfall!
Es zieht die Suppe
Leben aus dem Hof
in das Gemach
zu den Gängen hin, den
vielen Wirren, den
Aterien

Mein Herz öffnet sich
weit in deine Richtung, hat
Hunger, hat
Durst, hat
Platz für drei von dir
mit so vielen Fenstern, doch
so viel Blei
wie die alten Besetzerzonen, ihre
Baracken, so voller Blei, so
verlassen.

Mein Herz ist
ein Steppenläufer, ein einsamer
der wie ein dramatischer Unterstrich
der wie ein Schuss in die Stille
nur zum Stilmittel genutzt,
seinen Samen ins Schlachtfeld, (Sichtfeld)
pflanzt, vor der Wässerung, (Schiesserei)
dem Tränken in Blut



 rostchemtime is an issue



{11-10-08}   Knautschzone

13.07.1991
fiel mein Milchherz aus.



{08-10-08}   Tiefflug

tiefflug das ist,
herausforderung
konfrontation

es geht hier nicht um feinde,
denen wir in die augen blicken müssen
wir sprechen von klarheit, wir sprechen von individualismus
davon objekte zu umfliegen
sie im blickwinkel zu erhaschen
berührung
nähe
dekonstruktion
in die einzelteile
alles für sich betrachten
im kopf dann eine
variable für kontext finden

kontext muss immer variabel bleiben
er darf sich nicht festfahren
ein erzwungener kontext ist nicht mein kontext

was sehen sie denn von ihren
höhen aus?
einheit, bewegungsarmut
keinen blick für feinheiten!

tiefflug das ist,
liebe leben



Die Wohnung gleicht immer mehr einer Spielhölle.
Rollos sind runtergelassen, Licht spendet nur ein Beamer,
dessen Linse bereits, nikotinbefleckt, Bilder in Sepia strahlt.
Staub und Rauch im Strahlenkegel.
Der Mensch vertrocknet in so einer Luft.
Menschsein, das ist nur Patina
sie bröckelt ab, bricht weg.
Was bleibt, sind braune Flecken auf Fell.

Er hat immer vom Null-Punkt gesprochen und auf sein kleines
Buch getippt, dieser Prediger, Enthusiast.
Ehrfürchtig vor der (Idee von) Gottlosigkeit.
Aber dann brannte er runter, in diesem Raum.
Seine Reden wurden kürzer, Bart länger.
Hat sich sediert, hat sich
weggebrannt.

Früher war ich beim Film.
Habe patiniert. Habe Welten geschaffen.
Und nach Dreh: zerstört.
Es gibt einen Grund wieso ich hier bin,
wieso ich noch
funktioniere
und er nicht.
Jeder Raum hat seine Patina.
Seine Lebensschicht.
Wie Altersringe im Baum.
Ich war oft im Bordell und in
den Häusern der Yentowns,
um an der Wand zu lecken,
mit den Fingern,
den Staub aufzunehmen, früher.
Meine Kunst ist,
die Reflektion seines Niedergangs,
auf der Tapete.

Vor ein paar Monaten hängten sie die Uhren ab.
Der Zeitungsjunge kommt nicht mehr.
Das hier war ein Selbstversuch.
Er sprach von
einem Mikrokosmos,
wolle eine neue Welt schaffen.
Seit die Uhren weg sind, faselt er aber nur noch
von Bildern seiner Kindheit,
wenn ich morgens seine Splitter sorgsam
in mein Briefmarkenalbum lege. Ihn sammle.
Die Zeit spricht nur noch in Patina, doch
der leere Fleck, an dem die Uhr hing..
Ich kann ihn lesen, wie er gilbt.

Es gibt einen Grund,
wieso ich noch funktioniere und
er nicht.



{08-10-08}   zwangsjackenausbruch

habe die stumpfmacher nicht geschluckt
sinnflug, ich überreize, aber überhaupt mal reize!
das erste mal seit
seit
sie haben mir die zeit genommen
geraubt
die weissen raben
habe sorgfältig jeden schritt des plans
auf mein kreuz genagt
zahnabdrücke
fußstapfen
auf jesus schnitzgesicht
es ist sicher
alles durchdacht
heute oder morgen
der eine, der pfeift
er hat dienst, heute
oder morgen
er pfeift, wie ein vogel im stacheldraht
wie ein tinitus
man merkt ihm an, dass er pfeift um selbst nicht
durchzudrehen
die sind ver-rückter als wir
nein, die sind krank
heute oder morgen
ein pfiff als startschuss
morgen oder heute
zwangsjackenausbruch



Die Frage nach Sicherheit, ich muss sie mir das erste mal in dieser einen Nacht gestellt haben.
Wir liefen im Frankfurter Nordend herum, in der Nähe eines Spielplatzes – den Blick auf eine große Straße gerichtet.
„Ich kann die Augen schließen und über diese Straße dort gehen und mir wird nichts passieren“, hast du gesagt.
Meine Skepsis war verständlich, oder nicht?
Ich habe gesagt, du könntest das nicht wissen, du hättest keine Ahnung was passieren würde.
Ein Auto könnte dich mitreissen und du wärest für immer fort.
Es würde mit dir aus meinem Leben fahren.
Panisch muss meine Stimme geklungen haben, etwas festgefahren meine Argumente gegen dein absolutes Vertrauen.
Natürlich – in diesem Moment hatte ich kein größeres Bild vor Augen, keine Lebensphilosophie.
Ich sah nur dich. Zerbrochenes Porzellan. Einen tiefen Riss in meinem Leben.
Hättest du es damals getan, ich wäre dir hinter her gesprungen
und so Revue passiert: ich wäre wohl dabei umgekommen.

Es hat ein paar Jahre gebraucht, an deiner Seite und getrennt von dir, bis ich meinte zu begreifen woher deine Sicherheit kam.
Ein paar Meilensteine mehr, die eigentlich nur einer sind.

So gilt (für mich):
1. Es werden keine Wege zurückgelegt.
2. Vergangenheit besitzt keine Lebendigkeit und ist somit nichts als konstruierte Information
3. Zukunft ist planbar, aber nicht berechenbar
4. Hoffen ist Planung mit dem Wunsch auf Erfüllung
5. Jeder Wunsch auf Erfüllung ist Vergeudung von Ressourcen
6. Alles ist Liebe
7. Liebe ist nicht alles
8. Die Gegenwart ist die einzige, für uns relevante Realität
9. Etwas ist da, ob ich es Wahrnehme oder nicht.
10. Es gibt kein Gefühl, keinen Gedanken, den man sich nicht selber macht.

So gilt des weiteren (für mich):
1. Liebe das ist ein Zen-Buddhist, der ein Sonnenblumenfeld überquert und jede Grille grüßt, die er trifft.
Er wird Zeit seines Lebens nie alle Grillen grüßen können – er wird das Feld niemals überquert haben.
2. Wahrheit ist unser Blick auf eine Konstante in der Welt, niemand wird je den selben Blick teilen,
so gilt: nie wird jemand meine Wahrheit teilen. Meine Wahrheit gilt nur mir.
3. Angst bedeutet, dass ich Vergangenes auf eine Zukunft projeziere, die ich mit meiner Gegenwart identifiziere.
4. das selbe gilt für Verzweiflung, Neid, Eifersucht und ähnliche Gefühle, die mir nicht gut tun.
5. Die meisten meiner Gefühle sind konstruiert, weil ich glaube ich müsse so fühlen.
Oft spiegele ich meine Umwelt der Vergangenheit, ohne sie zu hinterfragen.
6. Die Welt um mich herum ist ein Spiegel meiner Selbst, ich finde mich in jedem Objekt meiner Gegenwart wieder und so ich mich lieben kann, liebe ich mich in allem. So kann ich allem Vertrauen, ohne blind zu Vertrauen.
7. Liebe ist frei von Besitz, von Wunsch und von Hoffnung. Wie du sagtest: „ich liebe dich, das heißt ‘ich liebe dich’ und nicht, ich will dich“.
8. Ich bin nicht der, der denkt. Ich bin der, der wahrnimmt. Ich bin das, was von allem durchflossen wird und output gibt.
Deshalb ist jedes Fragment von mir, ein wohlgewähltes Fragment meiner Umwelt. Jeder Bruchteil meiner Welt ist beliebig zu einem neuen Zusammenfügbar. Somit..
9. Bin ich in jedem Moment meines Lebens einzigartig. Denn wenn nur der Moment von Relevanz ist, so kann nur ich in diesem Moment etwas tun, nur ich kann an einem Ort, an einem Platz sein – nur ich kann ein output aus dem Fluß spucken, in die Welt hinein.
10. Ich bin also immer richtig, wo ich bin. Ich bin der einzige, der sein kann, wo ich bin. Daher ist mein Sinn im Leben erfüllt, indem ich bin. – Es gibt keine Konkurrenz, ich bin keine Konkurrenz.

Vor ein paar Jahren, stellte ich die Frage nach Sicherheit.
Ich stellte sie dir.
Deine Antwort hat mir nicht gefallen – also habe ich sie abgetan, als Spinnerei.
Mein Beschluss, sie mir selbst irgendwann zu stellen und beantworten zu können, er ist jetzt egal.
Ich habe diese Frage nie wieder gestellt, denn eine Antwort zu haben, macht die Frage überflüssig.
Dieser Antwort
bin ich mir sicher.



ich suche nach worten,
in dir für mich.
du sagst ‘ich versteh dich nicht’
und ich fühle mich verstanden.

eine kerze flackert wild,
als du mich bittest
zu dir zu taumeln,
weil dich die furcht packt,
weil dein weltbild fällt

auch ich verstehe nicht
und daher gut,
deinen schmerz
und dein glück. für
heute nacht

schlafen wir ineinander ein.



et cetera