Tiefblog











Ich schreibe ein Buch.
Das jetzt schon ein bisschen.
Wie das so ist mit Büchern die man schreibt: man schreibt eine Menge und wenig davon bleibt übrig. So auch hier, natürlich.
Das ist ein Fluch, so ein Buch. Bei einem Blog, einem Tagebuch, einem Notizkalender, da kann ja jeder Schrott rein. Das muss ja nicht rund sein das Ding. Das muss Ecken haben und Kanten, so richtig scharfe zum schneiden.
Aber bei einem Buch, da gehen sie hin, Stunden über Stunden, Tage über Tage, du produzierst, wütest, schreibst wie blöde und am Ende gefällt dir nur der Leitsatz einer Seite und der Rest geht flöten. DEL drücken. Prozess neu starten.

Sowas stinkt. Mir zumindest. Daher die Entscheidung, wenn’s schon nicht im Buch landet, kann das zumindest hier hin. Für alle sozusagen, für kostenlos, aber nicht umsonst.


„Omairi“ – the deleted scenes

„The grim faces that you’re passing, on your freefall to the ground
won’t remember, won’t be asking – and they won’t be making another sound“
- Kashmir

1. Ich erinnere mich, im Fluchtpunkt der Landschaft stand sie, wartend, lächelnd.
Die Haare wiegten sich hypnotisch im Wind, wie um mir zu bedeuten, dass ich träumte.
Gefangen in einer lustgeschwängerten Idylle, einer Zelle im Kopf, einer Samenwabe.
Ich erinnere mich, wie meine Fußspuren den goldenen Schnitt durch das Sinnbild zogen,
während ich mich trunken auf sie zu bewegte.
Ein Traum. Der Geschmack von Wolken.

2. Einen Nähfaden um den Zahn gebunden, Henkersschlinge, das Abendmal vollzogen,
den Sträfling gebadet, über einen Ast geworfen, beschwert. Ein einsamer Richter muss
sein, wer die eigenen Schafe schlachtet. Dem Kreislauf zu liebe – der Generation der
Zweitgeborenen platz machend. Ich sehe mich, mit verschwommenen Augen,
angespanntem Gesicht. Ich sehe mich, der sich nach Indien zurück träumte,
an verlorene Strände. Ich sehe meine Finger spannen, umklammern, verkrampfen.
Zahn erhängt. Der Geschmack von Blut.

3. An die Wand geschleudert. Schmerz und Feuer.
Das schwelen in den Augen, beschlagene Fenster.
Neue Wut sammeln. Klappende Münder.
Die Zunge aufgebissen, Kleider eingerissen.
Kalter Schweiss, bricht aus, kühlt aus.
Nähe war nie die Frage auf die Antwort.
Zwischen Wänden, Zwischenwände, inzwischen wir. Wir. Zwei einzelne, zwei Einzeller. Der Raum fliesst weg.
Niemand entblößt sich, die Rechtfertigungen sparend, das sind zwei Kugeln die sich treffen um zu trennen.
Kollidieren um den Kurs zu ändern, Mittel zum Zweck, Notwendigkeit fürs Ziel. Zwei Opfertiere,
beladene Sündenböcke auf dem Weg ins nichts. Der Geschmack von Leben.

4. Zurück. Lange war ich weg. Die Augenringe mit Chloroform aus dem Gesicht gewischt. Im Tiefflug die Arme grüßend ausgestreckt, süßlich verzücktes lächeln, im Spiegel der Meere richtete ich mir die Windzerüttete Frisur. Unter Alicens Tisch, Absinth aus der Teetasse getrunken. Der Fee einen Löffel abgekauft, einen Schuss gesetzt, Mitte der Stirn, ins dritte Auge. Zurück an den kleinsten Gemeinsamen Nenner unserer Menschheit. Im Krankenhaus erwacht, geweint, geschrien, dann das K-Hole, raus, ins Universum – die Unendlichkeit begreifen. Dann zum Wurmloch gekrochen, Anus Entrance in den Freizeitpark. Da wo die Clowns wohnen, in meinem Kopf.
Surrealer Traum bis zum erwachen. Der Geschmack von Pappe.




{03-03-08}   Untergrund-B

Berliner U-Bahn.
Wir haben Monitore hier drin die einem ununterbrochen abgehalfterte Stars, schlechte News und Werbung entgegen spucken. Zum Film-Festival  liefen da auch ein paar „Kunstfilme“, aber die waren genauso grottig, nur unverständlicher.
Stummfilm ist das, kein Ton, wäre ja eigentlich auch sympathisch – wenns in S/W wäre, ists aber nicht.
Dramatisch überspitzt leidet Manson in meinen Kopfhörern und will raus da, raus da, in meinen Kopf, in die Glieder, will mich übernehmen. Ich starre nur, regungslos und verweigere mich der Musik, die Leute starren so schon genug. Die können ihre Augen nicht bei sich lassen – immer umgucken, man könnte ja was verpassen, passiert ja immer was in Berlin, da muss man ja dabei sein. Nach 5 Minuten verliere ich langsam das Interesse am Bildschirm.

Leute gucken, das sollte man hier nicht. Irgendwer ist immer irgendwie eifersüchtig. Ich habe das dumpfe Gefühl, dass hier jeder irgendeinen Pitbull in Menschenkostüm besitzt oder zumindest einer ist. Kaum lässt man den Blick nur durch die Menge schweifen, ballt schon irgendeiner die Faust. Warum der das macht, weiß wohl nur er selbst. Also eben keine Berliner mit den Augen essen – die schmecken eh nur beim Bäcker. Verzweifelt einen Anker suchend fokusiert mein Hirn kurz darauf ein Werbeplakat. Anti-Werbung nennt man sowas – total abschreckend. Ein dicker, kleiner, auf amerikanisch getrimmter Junge, mit bizarr verzogenem Gesicht (Freude? Wut? Sexuelle Erregung?) hält einen Joystick, so ein Flugsimulatording und rattert fröhlich vor sich hin. Kommunisten töten und Japaner, wahrscheinlich, Bildschirm sieht man nicht. Soll eine Werbung für das neue Gamedesign Studium hier in Berlin sein.
„Scheiße“, sehe ich meine Lippen im Spiegelbild formen – sagen tu ichs natürlich nicht.

dumm, übergewichtig und eine Menge Spaß am töten?
- Gamedesign studieren!

Aber die wollten sicher mal wieder nur witzig sein. 



et cetera