Tiefblog











{18-04-08}   Bezeichnend

Ich laufe mit einer Freundin durch Frankfurt.
Zum Auto, das da geparkt war nähe Kaiserstraße.. eh.. Hauptwache.
Neben dem Auto steht ein Grau-mellierter in Uniform. Vorm Hotel, wohl der Concierge (Konziertsch) – und raucht ungemütlich ne Fluppe, als müsste er gerade Parrieren, mitten in der Nacht in seiner Pause. Sowas ist eben ein Full-time-Job, der Mann trägt den Ruf seines Hotels in den Schulterpolstern. Die sind da eingenäht in die gestellte Uniform. Versteckte Kosten sozusagen.

Ich stelle mich rauchend, kerzengerade und akkurat neben ihn und wünsche fröhlich einen „Guten Abend!“.
Plötzliches Entsetzen.
Es sind eben solche Dinge mit denen Typen, die den ganzen Tag damit verbringen abstrakte Probleme zu lösen, einfach nichts anfangen können – das verwirrt sie. Und je akkurater ein Mensch ist, in seiner aufgeräumten, parfümierten Kopfwohnung, desto weniger können sie mit Verwirrung umgehen.

Er denkt eine kleine Weile und ergattert ansatzweise seine Fassung wieder.
Greift nach der Birne und dreht sie rein.
Effektiv: er nickt mit dem Kopf, schmeisst seine kaum angerauchte Kippe auf die Erde, dreht um – und geht.

Das ist Frankfurt.
Großartige Stadt.



1.
Wieder da. Seit Sonntag in Berlin.
Erste Impression: Berlin stinkt. Ab und zu. Einfach so.
Wie hat das diese ätzende Viva Moderatorin Sarah Kuttner, wild mit den Armen rudernd, breites Grinsen im Gesicht, gesagt?

„(…) und das erste was ich euch von Berlin zeigen will ist… die Berliner Luft! Sie ist überall“, sie rudert begeistert, „Berliner Luft!“

Sarah Kuttner kann mir mal einen Blasen mit ihrer Berliner Luft.
Verflucht.

2.
In Frankfurt total dumm geschuftet hab ich mich. Ich find mich da ab und zu, sitzend, total Meditativ im großen Ganzen versunken – bis ich mir selber aufs Knie tropfe.
Aufs heisse Bein. Total warm gesessen ist das dann. Der Sabber zischt schon. Das Knie knackt schon.
Ich weiß echt nicht mehr. Ich bin für diese Schufterei nicht geschaffen.
Für diesen Büroquatsch, für Unterforderung.
Mir gehts da wie Freud, ich erfinde lieber irgendeinen Unsinn, der sich gut anhört und verkauft. So nebenher. Aus Langeweile.

3.
Herz totgelebt. Diese fiesen Momente in denen jeder was von einem will. Das gefällt dann ja auch, begehrt zu sein, von diesen Gaffern, diesen Zoogängern – von Freunden eben. Aber das war einfach zu viel. Von der Berliner Askese zum Sektexzess Frankfurts.
Ich bin das einfach nicht mehr gewöhnt. Kommunikation und Menschen.
Ich schreib ja sonst nur.
Und dann diese Wahnsinnsfrau. Die mich ganz verwirrt. Jetzt noch.
Das packt mein Herz so gar nicht.
Sowas von müde bin ich.
Wie sagt mein Mitbewohner immer? „Müdigkeit so als Grundstimmung“.
Das zieht sich mir wie Leim durch die Venen, langsam wirds hart und eng.
Ich werd alt.

4.
Immer noch am arbeiten. War ich irgendwie mental nicht drauf vorbereitet.
Deshalb fehlt mir jegliche Moral. Jeglicher Drang zu Arbeiten.
Ich will das gar nicht.
Aber ich machs ja trotzdem. Ich Volltrottel.
Muss ja auch Miete zahlen.
Und diesen verfluchten Kaffee. Würde ich nicht so verdammt viel Kaffee trinken, wäre ich wahrscheinlich ein verhältnismäßig wohlhabender Mann.



et cetera