Tiefblog











Ja, machen Sie doch mal, Herr P.“
Warum auch nicht?
Ich bin ja schließlich ein Web 2.0 Fließbandarbeiter.
Anatomie (m)einer Produktionsschleife:

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Das fängt jetzt langsam wieder an. Meine Ruhe hatte ich ja, ein wenig.
Nach diesem Riesenprojekt von über 2000 Seiten. Dieses BEK. Dieses Gedöns.
Totaler Koller angesagt dannach. Urlaub hab ich bekommen und langsam aber sicher rote Zahlen auf dem Konto.
Jetzt melden die sich mal. Genauergesagt mal wieder ein Typ den ich nicht kenne. Neuland und so.
Keine Ahnung wer das ist. Aber duzen tut der mich, duzen das geht immer, ich leb ja in Berlin, hat er gehört –
Berliner duzt man.
Aber nehm’ ich ihm nicht krumm, der Mensch ist keine Banane, sag ich mir.
Seiten löschen soll ich, so die simple aber fatale Aufgabe.
Wieso fatal? Wird manch einer nun Fragen. Einer der nicht weiß was ein CMS ist.
Cannibal-Machine-System (es bringt dich nach und nach dazu dich selber zu Essen indem es deine Wut in
Fingernägel und Zähne kanalisiert bis du beginnst dich selbst langsam aber sicher zu zernagen).
Und selbst wenn man diese Frustmacher kennt, bleibt noch die Frage: Wieso fatal?

Nun:
In der Mail ein Anhang.
Schön gegliederte PDF-Datei.
Ich frage mich immer, wer die erstellt.
Da stehen Seiten IDs, Namen, Funktionen, Aufgaben
(was tun mit Seite Namens xy, ID 3943, verlinkt von Seite yz, ID 3942 – Löschen!
ps: Folgeseiten abhängen und in Seite ID 3904 einbinden)
Ich wage zu glauben, dass sie einen armen Menschen mit Waschzwang in einen Wasserarmen Raum sperren.
Mit Instruktionen und einem PC. Auf dem gibts nur die Homepage und eine leere PDF Datei
„Bis morgen alles einsortieren in die Tabelle, dann bringen wir ihnen für zwei Tage ein Waschbecken.
Wenn sie heute Abend noch fertig werden sogar mit Warmwasser“.
Das kommt nämlich, wenn ich diese PDF da öffne, dieses 1 MB Text.
8.600 IDs mit Info, fein sortiert, alphabetisch – auf 178 PDF Seiten.
Wer macht sich denn wirklich so zum Affen und schreibt dieses Teil?
Also ich bin dankbar, das spart Arbeit, ermöglicht mir Strukturiert zu bleiben, effektiv das Fließband zu mimen.
Jedes mal kriege ich sowas. Jedes mal hat ein anderer diese Liste erstellt, immer nach anderem Muster.
Jedes verdammte mal stelle ich die selbe Frage, mir, meinen Freunden.
Nur nie meinen Kollegen.
Weil ich Angst vor der Antwort habe.

Klick, Klick, scroll, Klick, ALT+TAB, mark, copy, ALT+TAB, paste, Klick, Klick.

20 Sekunden pro Durchlauf, 8.600 mal, 51.600 mouseclicks.
siebenundvierzigkommaperiodevier Zeitstunden.

still-suicide
Dann mache ich doch mal.



{02-03-08}   Krushed Ice

Duality, das war der erste Track, vor ewigen Jahren.
Ein Zusammentreffen von Krush & Shadow.
Diese zwei Gurus, schlaksig, dünn, beweglich.
Die beiden Zeigefinger Gottes, mit Spikes an den Tips.

Dass ein Krush, wenn er nach Berlin kommt, im Club Maria absteigt, ist wohl natürliche Selektion. Nicht nur eignet sich die Location durch ihren Schnitt und die Einrichtung Perfekt für den Auftritt eines Mannes von Krush’s Format – der Name, die Aufmachung, der Flair, das Image. Da stand ich dann, provisorisch per E-Mail eine Karte reserviert, schnell noch bei Suzi Wong und Kahn – den Begleitern des Großmeisters an diesem Abend – rein gehört und verschlang Zigarette für Zigarette. Die Pizza hatte mir auf den Magen geschlagen, die Kälte kroch tief in meinen Körper, mein Kopf schmerzte schon den ganzen Tag – scheiss egal. Einfach nieder rauchen.
Freundlich in die Schlange lächeln.
Böse Blicke von aufgesetzt Eifersüchtigen Männern ernten, deren Freundin ich vorher gar nicht bemerkte -
nun aber förmlich anstarrte (gut gemacht).
„Scheiss egal. Gleich bist du drin“, dachte ich mir und meinte das auch so.

Aller Anfang ist schwer, das weiß Krush auch.
Shir Kahn, ein DJ mittleren Alters mimte den Einheizer.
Und begeistert, nach und nach strömte es und 2 Stunden eingängige Punch-Beats später.. ich noch absolut am tanzen, standen einige Hundert Menschen um mich rum.. drängten mich, schoben, schwitzten, schwiegen. Als eine Geräuschexplosion das Festspielhaus förmlich erhellte und ruckartig tiefer und tiefer gezogen wurde, raffte ich endlich was da los war. Großmeister Krush stand am Pult, Capy tief ins Gesicht gezogen, nur das bewachsene Kinn lugte raus.
Ähnliches Outfit wie im Musikvideo von Tragicomic, dass er zusammen mit Aco und Twiggy produzierte – und erhabenes schweigen überall.
Da war ein Anflug von Respekt, der sich durch die Reihen zog.
Der Mann, war für den Trip-Hop, Rap und Electronic so eine Art Metallica. Ein Genius unerreichter Größe auf jedem seiner Gebiete und der einzige der ihm je das Wasser reichen konnte, Shadow persönlich, zog schon vor langer Zeit den Hut. Eineinhalb Stunden jagte er die Menschen über die Tanzfläche, jeder wusste das zu schätzen, jeder war irgendwo Dankbar. Keine Unzufriedenen Gesichter, einfach Bewegung, in der Mitte Melting-Pot, drumrum zugedröhnte Menschen die sich auf ihre ganz eigene Art und Weise zur Musik bewegten.
Dann vorbei. Aber die Crowd löste sich nicht.
Suzi Wong, das ist ein bekanntes Gesicht in der Berliner Szene und hat ihr kleines Nest im Maria bereits gebaut.
Sie als die personifizierte After-Show-Party einzusetzen war wie sich herausstellte eine organisatorisch absolut durchdachte Geschichte – ein Plan der Funktioniert.
Großartig. Eine unheimliche Energie diese Frau, die zu ihrer eigenen Musik ein wenig wie Cameron Diaz durch die Gegend hüpfte, alles breit anlächelte und allein durch ihre Präsenz die Notwendige Stimmung verbreitete, die es gebraucht hat um auch nach Krush in ruhe weiter zu tanzen.

Gelungen. Sehr.



{02-03-08}   Revue passiert: IV

8.
A. ruft an, zwei Karten für Balkan Musik im SO36 hat sie gekriegt. Irgendeine DJane legt da auf.
Balkan Musik, aha. Ich schau erstmal nach, wo die Halbinsel noch mal liegt. Schlimmer als die Schweiz, sagt Wikipedia unterschwellig. Ich sag zu, klar tu ich das.
Ist ja kostenlos, sowieso sag ich A. nur ab wenn muss, die hab ich gern um mich, auch wenn das manch einer schon ziemlich falsch verstanden hat.
„Ah, der aus Frankfurt“, rufen fremde Menschen immer Schuldbewusst aus, als müssten sie mich schon von weitem erkannt haben, A. grinst dann verlegen, als hätte sie Angst, dass ich auch auf das Missverständniss reinfallen würde.
Also Balkan Musik dann den Abend.
Balkan Musik, das hat A. so gesagt, in Wirklichkeit weiß ich gar nicht wie der Kram heißt, aber soll ganz gut sein, hab ich gelesen. Die Orchester, die ich bisher gehört habe, haben mir auch gut gefallen.
Im Club klappt das alles super. Sonst kommt man schwerer mit ausgedruckten Freikarten rein, die genieren sich meistens und machen überlegene Pokerfaces. Die hier nicht. Das ist das SO36. Die halten was auf sich und ihre Toleranz.
Fett am Eingang neben den Türstehern, steht auch die Hausordnung. Total Alternativ. Bei Faschistischen oder Rassistischen Übergriffen, werden Leute rausgeworfen oder Veranstaltungen abgesagt, der darf nicht beleidigt werden, der und der ist hier willkommen, eigentlich jeder – ginge auch kürzer, wäre dann aber nur halb so Heroisch.

A. findet, dass wir Barfuß tanzen sollten – finde ich auch, also tun wir das und stellen unsere Schuhe an den Rand.
Balkan Musik, das ist eigentlich ganz in Ordnung, gut zum Tanzen, sehr abwechslungsreich. Aber meine Hose ist zu schwer um A.s Springtheater lange mitzumachen, die hat zum Glück keine Ausdauer – gleicht sich aus.

War ein guter Abend, damit lässt sich arbeiten.



et cetera