Tiefblog











Fataler Rechenfehler.
Maschinen sind langsamer als Menschen.
Nein.
Maschinen sind langsamer als ich.
Das fängt schon beim Bankautomaten an.
Ich könnte 3 davon gleichzeitig bedienen und immer noch die Kippe mit der rechten rauchen.
Dann sowas. Nein. Unfassbar.
Ich kalkulierte 20 sekunden pro cycle. 20 cycles per second. 20cps.
In cps rechne ich meine Fließbandjobs. Anhand jener lassen sich Zeitpläne erstellen.
Rechenspiele Marke Eichel.
„Im Monat April werden wir..“
Und dann der Fehler.
Mein Fehler.
Ich hatte die Maschine überschätzt.
Sie war langsamer als ich – und nichts was ich dagegen machen kann.
Aus 20 cps wurden 60 cps im optimum, mit Streu von 20 cps.
Statistik ist wie ein Shotgun einschlag. Du hast ein Zentrum.
Um das Zentrum, Sternenzelt. Lauter kleine Punkte.
Die dem ambitionierten Kostenvoranschlagsanschläger den Tag versauen – oder die Statistik.
Erstmal rumgerufen. Bisschen gebuckelt. Lächeln geerntet. Ist ja noch jung der Mann.
„Die Kosten werden ein wenig explodieren, so ca. um das vierfache als geplant.“
„Ach, wenn ich jemanden von aussen engagieren würde, würden die Kosten explodieren. Kein Problem“
Er spricht von den 9.000€ die er dem anderen jetzt gezahlt hätte.
Der fällt mir jetzt auch ein, der andere. Der für sowas 9.000 kriegt.
Aber ich kann mit den Schultern zucken – er kriegt die 9.000 ja nicht.
Weils mich gibt.
Ich bin die Streu.
Ich ruinier ihm die Statistik.

Gehts mir gleich besser.

Dennoch habe ich mich verschätzt – nicht weiter tragisch.
Aber nach Frankfurt muss ich jetzt trotzdem. Ins Büro. Kaffee kochen und von da arbeiten.
Weil hier gibts kein Internet mehr, bald.
Also zurück in die Heimat.

Bis dann.



Ja, machen Sie doch mal, Herr P.“
Warum auch nicht?
Ich bin ja schließlich ein Web 2.0 Fließbandarbeiter.
Anatomie (m)einer Produktionsschleife:

Klick, Klick, scroll, Klick, ALT+TAB, mark, copy, ALT+TAB, paste, Klick, Klick.

Das fängt jetzt langsam wieder an. Meine Ruhe hatte ich ja, ein wenig.
Nach diesem Riesenprojekt von über 2000 Seiten. Dieses BEK. Dieses Gedöns.
Totaler Koller angesagt dannach. Urlaub hab ich bekommen und langsam aber sicher rote Zahlen auf dem Konto.
Jetzt melden die sich mal. Genauergesagt mal wieder ein Typ den ich nicht kenne. Neuland und so.
Keine Ahnung wer das ist. Aber duzen tut der mich, duzen das geht immer, ich leb ja in Berlin, hat er gehört –
Berliner duzt man.
Aber nehm’ ich ihm nicht krumm, der Mensch ist keine Banane, sag ich mir.
Seiten löschen soll ich, so die simple aber fatale Aufgabe.
Wieso fatal? Wird manch einer nun Fragen. Einer der nicht weiß was ein CMS ist.
Cannibal-Machine-System (es bringt dich nach und nach dazu dich selber zu Essen indem es deine Wut in
Fingernägel und Zähne kanalisiert bis du beginnst dich selbst langsam aber sicher zu zernagen).
Und selbst wenn man diese Frustmacher kennt, bleibt noch die Frage: Wieso fatal?

Nun:
In der Mail ein Anhang.
Schön gegliederte PDF-Datei.
Ich frage mich immer, wer die erstellt.
Da stehen Seiten IDs, Namen, Funktionen, Aufgaben
(was tun mit Seite Namens xy, ID 3943, verlinkt von Seite yz, ID 3942 – Löschen!
ps: Folgeseiten abhängen und in Seite ID 3904 einbinden)
Ich wage zu glauben, dass sie einen armen Menschen mit Waschzwang in einen Wasserarmen Raum sperren.
Mit Instruktionen und einem PC. Auf dem gibts nur die Homepage und eine leere PDF Datei
„Bis morgen alles einsortieren in die Tabelle, dann bringen wir ihnen für zwei Tage ein Waschbecken.
Wenn sie heute Abend noch fertig werden sogar mit Warmwasser“.
Das kommt nämlich, wenn ich diese PDF da öffne, dieses 1 MB Text.
8.600 IDs mit Info, fein sortiert, alphabetisch – auf 178 PDF Seiten.
Wer macht sich denn wirklich so zum Affen und schreibt dieses Teil?
Also ich bin dankbar, das spart Arbeit, ermöglicht mir Strukturiert zu bleiben, effektiv das Fließband zu mimen.
Jedes mal kriege ich sowas. Jedes mal hat ein anderer diese Liste erstellt, immer nach anderem Muster.
Jedes verdammte mal stelle ich die selbe Frage, mir, meinen Freunden.
Nur nie meinen Kollegen.
Weil ich Angst vor der Antwort habe.

Klick, Klick, scroll, Klick, ALT+TAB, mark, copy, ALT+TAB, paste, Klick, Klick.

20 Sekunden pro Durchlauf, 8.600 mal, 51.600 mouseclicks.
siebenundvierzigkommaperiodevier Zeitstunden.

still-suicide
Dann mache ich doch mal.



{02-03-08}   Revue passiert: IV

8.
A. ruft an, zwei Karten für Balkan Musik im SO36 hat sie gekriegt. Irgendeine DJane legt da auf.
Balkan Musik, aha. Ich schau erstmal nach, wo die Halbinsel noch mal liegt. Schlimmer als die Schweiz, sagt Wikipedia unterschwellig. Ich sag zu, klar tu ich das.
Ist ja kostenlos, sowieso sag ich A. nur ab wenn muss, die hab ich gern um mich, auch wenn das manch einer schon ziemlich falsch verstanden hat.
„Ah, der aus Frankfurt“, rufen fremde Menschen immer Schuldbewusst aus, als müssten sie mich schon von weitem erkannt haben, A. grinst dann verlegen, als hätte sie Angst, dass ich auch auf das Missverständniss reinfallen würde.
Also Balkan Musik dann den Abend.
Balkan Musik, das hat A. so gesagt, in Wirklichkeit weiß ich gar nicht wie der Kram heißt, aber soll ganz gut sein, hab ich gelesen. Die Orchester, die ich bisher gehört habe, haben mir auch gut gefallen.
Im Club klappt das alles super. Sonst kommt man schwerer mit ausgedruckten Freikarten rein, die genieren sich meistens und machen überlegene Pokerfaces. Die hier nicht. Das ist das SO36. Die halten was auf sich und ihre Toleranz.
Fett am Eingang neben den Türstehern, steht auch die Hausordnung. Total Alternativ. Bei Faschistischen oder Rassistischen Übergriffen, werden Leute rausgeworfen oder Veranstaltungen abgesagt, der darf nicht beleidigt werden, der und der ist hier willkommen, eigentlich jeder – ginge auch kürzer, wäre dann aber nur halb so Heroisch.

A. findet, dass wir Barfuß tanzen sollten – finde ich auch, also tun wir das und stellen unsere Schuhe an den Rand.
Balkan Musik, das ist eigentlich ganz in Ordnung, gut zum Tanzen, sehr abwechslungsreich. Aber meine Hose ist zu schwer um A.s Springtheater lange mitzumachen, die hat zum Glück keine Ausdauer – gleicht sich aus.

War ein guter Abend, damit lässt sich arbeiten.



{02-03-08}   Revue passiert: I

1.
Das muss ein Sonntag gewesen sein.
Der Berliner abklatsch der Nippon Connection neigte sich dem Ende zu, Preisverleihung, noch mal paar Filme – ich bin da nicht hingegangen, das war mir echt zu stressig.
Aber das Konzert im Anschluss wollte ich mir nicht nehmen lassen. Also machte ich mich auf, in den Nord-Wind rein, auf halbem Wege noch mal in der Pommesschmiede reingelunst, paar Fritten vertilgt und mir vorgestellt ich sei eine Giraffe.
Grüner Salon hieß der Schuppen, den gibt’s auch noch in anderen Farben ein paar Straßen weiter, “klar”, Denk ich mir “Grün mag ja nicht jeder”.
Und da stand sie schon, vor dem Eingang, als würde sie auf mich warten schaut sie mich an und grinst.
Ich glaub die hat’s gewusst, hat ‘se bestimmt, unterbewusst.

2.
A. steht da also und raucht ihre Kippe, Gelbe Galouidingsda.
Wir reden übers rauchen, darf man im Grünen Salon nämlich nicht und sie war ja schon in vielen Filmen von dem Festival, geht ganz schön aufs Geld – das rauchen und das Kino.
Zu ihr gehört ein Typ namens C., der sagt ziemlich wenig, lacht nur ab und an mal.
Ich Denk mir, dass die beiden zusammen sind, frag aber nicht nach.

3.
Die waren nie zusammen, genaugenommen schleppt A. ihn nur in jeden Film, auf jedes Konzert, dieser seltsamen Veranstaltung mit, weil da ja sonst keiner mit kommt.
Die Band tritt mit einer Stunde Verspätung auf und jeder hat ein Tigerfell übergeworfen. Die Männer tragen keine Hosen.
Japaner ohne Hosen fand ich schon immer befremdlich, aber die Musik ist gut. Als der Sänger nach ein paar Songs etwas ins Publikum ruft, fällt mir auf, dass ER eigentlich eine SIE ist.
Wow, peinlich.
War ein netter Abend, die DJane von der Aftershowparty war auch klasse. Als A. und C. schon weg waren hab ich noch ein Weilchen getanzt.

4.
Ich lief kürzlich die Straße lang und da stand ein Transporter mit aufgedruckten, glücklichen Früchten.
An der Seite stand Groß “Vitamin K – Obst & Gemüse Handel”. Ich grins in mich hinein und gehe summend weiter.

5.
Pleng hat gesagt, sie wolle, dass ich meine Haare wachsen lasse. Laura fand, dass sie mir kurz ziemlich gut stehen.
Jetzt sind beide weg und ich häng hier mit meiner Pumuckl Frisur, zwischen kurz und lang. Ich seh aus wie Markus K, mein Chef.
Mir fehlt echt jeglicher Selbstbestimmungstrieb.
Aber ich geh jetzt die Woche mal zum Frisör, wenn die Haare kürzer sind, trocknen die schneller.



et cetera