Die Frage nach Sicherheit, ich muss sie mir das erste mal in dieser einen Nacht gestellt haben.
Wir liefen im Frankfurter Nordend herum, in der Nähe eines Spielplatzes – den Blick auf eine große Straße gerichtet.
„Ich kann die Augen schließen und über diese Straße dort gehen und mir wird nichts passieren“, hast du gesagt.
Meine Skepsis war verständlich, oder nicht?
Ich habe gesagt, du könntest das nicht wissen, du hättest keine Ahnung was passieren würde.
Ein Auto könnte dich mitreissen und du wärest für immer fort.
Es würde mit dir aus meinem Leben fahren.
Panisch muss meine Stimme geklungen haben, etwas festgefahren meine Argumente gegen dein absolutes Vertrauen.
Natürlich – in diesem Moment hatte ich kein größeres Bild vor Augen, keine Lebensphilosophie.
Ich sah nur dich. Zerbrochenes Porzellan. Einen tiefen Riss in meinem Leben.
Hättest du es damals getan, ich wäre dir hinter her gesprungen
und so Revue passiert: ich wäre wohl dabei umgekommen.
Es hat ein paar Jahre gebraucht, an deiner Seite und getrennt von dir, bis ich meinte zu begreifen woher deine Sicherheit kam.
Ein paar Meilensteine mehr, die eigentlich nur einer sind.
So gilt (für mich):
1. Es werden keine Wege zurückgelegt.
2. Vergangenheit besitzt keine Lebendigkeit und ist somit nichts als konstruierte Information
3. Zukunft ist planbar, aber nicht berechenbar
4. Hoffen ist Planung mit dem Wunsch auf Erfüllung
5. Jeder Wunsch auf Erfüllung ist Vergeudung von Ressourcen
6. Alles ist Liebe
7. Liebe ist nicht alles
8. Die Gegenwart ist die einzige, für uns relevante Realität
9. Etwas ist da, ob ich es Wahrnehme oder nicht.
10. Es gibt kein Gefühl, keinen Gedanken, den man sich nicht selber macht.
So gilt des weiteren (für mich):
1. Liebe das ist ein Zen-Buddhist, der ein Sonnenblumenfeld überquert und jede Grille grüßt, die er trifft.
Er wird Zeit seines Lebens nie alle Grillen grüßen können – er wird das Feld niemals überquert haben.
2. Wahrheit ist unser Blick auf eine Konstante in der Welt, niemand wird je den selben Blick teilen,
so gilt: nie wird jemand meine Wahrheit teilen. Meine Wahrheit gilt nur mir.
3. Angst bedeutet, dass ich Vergangenes auf eine Zukunft projeziere, die ich mit meiner Gegenwart identifiziere.
4. das selbe gilt für Verzweiflung, Neid, Eifersucht und ähnliche Gefühle, die mir nicht gut tun.
5. Die meisten meiner Gefühle sind konstruiert, weil ich glaube ich müsse so fühlen.
Oft spiegele ich meine Umwelt der Vergangenheit, ohne sie zu hinterfragen.
6. Die Welt um mich herum ist ein Spiegel meiner Selbst, ich finde mich in jedem Objekt meiner Gegenwart wieder und so ich mich lieben kann, liebe ich mich in allem. So kann ich allem Vertrauen, ohne blind zu Vertrauen.
7. Liebe ist frei von Besitz, von Wunsch und von Hoffnung. Wie du sagtest: „ich liebe dich, das heißt ‘ich liebe dich’ und nicht, ich will dich“.
8. Ich bin nicht der, der denkt. Ich bin der, der wahrnimmt. Ich bin das, was von allem durchflossen wird und output gibt.
Deshalb ist jedes Fragment von mir, ein wohlgewähltes Fragment meiner Umwelt. Jeder Bruchteil meiner Welt ist beliebig zu einem neuen Zusammenfügbar. Somit..
9. Bin ich in jedem Moment meines Lebens einzigartig. Denn wenn nur der Moment von Relevanz ist, so kann nur ich in diesem Moment etwas tun, nur ich kann an einem Ort, an einem Platz sein – nur ich kann ein output aus dem Fluß spucken, in die Welt hinein.
10. Ich bin also immer richtig, wo ich bin. Ich bin der einzige, der sein kann, wo ich bin. Daher ist mein Sinn im Leben erfüllt, indem ich bin. – Es gibt keine Konkurrenz, ich bin keine Konkurrenz.
Vor ein paar Jahren, stellte ich die Frage nach Sicherheit.
Ich stellte sie dir.
Deine Antwort hat mir nicht gefallen – also habe ich sie abgetan, als Spinnerei.
Mein Beschluss, sie mir selbst irgendwann zu stellen und beantworten zu können, er ist jetzt egal.
Ich habe diese Frage nie wieder gestellt, denn eine Antwort zu haben, macht die Frage überflüssig.
Dieser Antwort
bin ich mir sicher.