wir falten den stahl, die messer
sie schneiden das fleisch in den hallen
zwischen rauch und atem, die kälte
in die poren der haut, die sich schließen

das kalb zuckt noch eine minute
der arbeiter hat narben er weiß es
er geht durch den tag zu den kindern am abend
und löffelt die suppe mit zitternden händen
die frau weint die nacht in das laken
er beruhigt sie und schläft dabei ein

schulden haben keinen körper
sie manifestieren sich im verschwinden der dinge
die wohnung wird leerer und leerer
die kinder spielen mit schüsseln
der fleischer er geht zur fabrik
und das kalb zuckt noch eine minute

im arbeiterblatt liest er morgens
dass das geld bald nichts mehr wert sei
dennoch verpfändet er die orden des vaters
und kauft ein fahrrad für den ältesten sohn
wir falten den stahl, die messer
sie schneiden das fleisch in den hallen
die messer, sie hängen am haken
und das vieh blökt nächtelang

wenn es um glück geht, weiß der arbeiter
nicht so genau, worum es da geht
er weiß ungefähr wohin und dass sein lebenslauf ihn dort nicht trägt
am stammtisch füllen sie abends die worte
damit man weiß was der andere meint
wenn sie voll sind, dann sucht man die nächsten
und sie trinken das bier aus den fässern
sie nagen das fleisch von den knochen

ab und zu gibt es streik,
dann bleibt das vieh verschont
dann bleiben die teller leer
und die industriellen debattieren beim essen
die schlafen schlecht, für eine nacht
und die fleischer stehen vor den toren
nebenan falten wir stahl, machen die messer
wir fachen die öfen an,
ein fleischer der brüllt hinüber
aber wir hören nicht was er sagt
wir falten den stahl, bis zum abend
im vorbeigehen sieht man sie dann

die fleischer vor den toren
und die polizei bewaffnet rückt an
sie treiben die fleischer, die knüppel
prügeln das vieh vor den hallen
zwischen rauch und atem, die schreie
in das klacken der schellen, die sich schließen

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