meine erinnerung versagt allmählich, toter freund.
das meer ist längst nur noch ein querschnitt aus fotografien.
es könnte auch versiegt sein, beiläufig.
vier jahre später ist mein messianischer ausruf damals
heute wahr und so ich an dich denke, so denke ich an dich
nur als ein zurückgebliebener. 

es sind noch lieder zu singen.
bis das dünne eis bricht, die augen wie gletscher
sich ablösen an der demarkationslinie
sich ablösen ins meer stürzen und aufhören.
in das stumme unbewusstsein ein
wie sich erinnern?, unhaltbar formen
wie sich erinnern?
an den moment als die kraft
sich faltet
an einem letzten wort
so groß, dass man darin sterben kann.
eine sedimentierte ohnmacht, die alles übersteigt
die passiert, über alles hinweg
sich einschreibt in die gesten, ein
„ich weine!“
in die hände treibt,
die tastaturen und maschinen
bedürfnis und körper verzweifelt versuchen zu bedienen, die
in den rücken gekrallt sich selber haltend furchen in die haut graben, es ist
ein schluchzen in jedem händedruck und jedes wort trägt dich wie eine auslassung.

es sind noch lieder zu singen.
weil ich sie nicht anstimmen kann verbrauchen sie sich nicht
ich fürchte
mich davor
wenn die töne verebben muss
ich mich gehen lassen und du stirbst daran
dann wird die kraft sich falten an
einem ersten wort
so groß, dass man darin stehen kann.

was soll noch geschehen, ich, im gefängnis, ich, in ihrem diesigen bett
ich, in drei lagen vergessen gestopft nur noch begraben in den eindrücken und haltlos
zitternd ich kann nicht mehr und du kannst nichts mehr, wie ein vorwurf fomuliert sich
alles haltlos zitternd ich kann nicht mehr und du verschwindest wie das meer hinter den konnotationen
hinter allem was sich immer wieder aktualisiert dich überlagert ich will mir die augen zunähen und die ohren verkleben
setz dich! setz dich noch einmal, wie du immer gesessen hast.
wird jemand kommen, bei dem du wieder so, genau so, sitzen wirst?

trifft licht auf das unbewusste
wird es zerfallen
ich kann
keine denkmäler bauen –
so lange ich mich aufführe
in den scheinwerferkegeln
– deren schatten keine risse tragen
bis ich mich vergesse
und du? bist ein anker um meinen hals
sich ablösen ins meer stürzen aufhören, ich weiß
ich habe nichtwissen und nichts wissen verwechselt, damals
wie heute, ich weiß, die anklage, der fingerzeig,
der vorwurf an die welt,
die ich mich nenne,
hätte ich mich bloß mit dir in der utopie begraben
statt
mich im spiegelbild am see zu sehen.
abschließend das hat mir die federn
aus dem rücken gezogen.

dir ein lied zu singen
vom leben der zurückgebliebenen
auf dass
das eis bricht
welches dich vom leben trennt
unter stiebend heissen tönen
die kraft sich biegt
deine macht über mich aufhört
weil wir uns berühren
in einem wort, so groß
dass man darin sehen kann.

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